Der beste Weg, um effizienter zu lesen (mehr merken und nie wieder einschlafen)

Geil!

Die letzte Seite des Buches ist geschafft.

„Schon das dritte Buch dieses Monat. Ich bin aber auch ein geiler Typ“, denkt er sich bescheiden.

Ein paar Wochen später… Lautes Geschrei hallt durch das Büro. Die Wutausbrüche seines Chefs erinnern an den Urknall.

Der Grund, warum er den Chef wütend gemacht hat: Wieder hat er um seine wohlverdiente Gehaltserhöhung gefragt. Wieder bekommt er sie nicht.

Aber wie kann das sein, wenn er doch damals „Erfolgreich über das Gehalt verhandeln“ gelesen hat. Es war sein drittes Buch letztes Monat. Aber war es so schlecht?

Tatsächlich ist das Buch ein Bestseller und das eigentliche Problem ein ganz anderes: Er konnte sich nicht merken, was er gelesen hat. 

Und so blieb es nicht nur bei einem kümmerlichen Gehalt – er wurde auch noch Opfer der intellektuellen Zeitverschwendung.

Aber wie hätte er es besser machen können? Zum Beispiel so:

Die Vorbereitung

Effizienz braucht ein System!

Diese Punkte können dir helfen, optimal an das Ganze heranzugehen:

Die wichtigste Regel

Nur angewandtes Wissen wird dein Leben verändern. (Solltest du dir nur eine Sache aus diesem Artikel merken, dann am besten diesen Satz.)

Kontext

  • Wo wurde das Buch geschrieben? Welche Kultur herrscht in diesem Land?
  • Warum hat der Autor das Buch geschrieben? (Steht meistens im Vorwort des Buches)
  • Wer ist der Autor? Wie alt ist er? Wie lebt er oder wie hat er gelebt?
  • Was war die politische, wirtschaftliche oder kulturelle Situation zum Schreib-Zeitpunkt? Herrschte zum Beispiel ein Krieg in dem Land?
  • Welche Bücher hat der Autor sonst noch geschrieben?

All diese Dinge können dir helfen, das Gelesene besser nachzuvollziehen und Verknüpfungen herzustellen.

Dein „Warum“

Führe dir noch einmal den Grund vor Augen, warum du das Buch liest. Musst du einen Test schreiben? Möchtest du reich werden? Suchst du einen neuen Job? 

Halte die Augen offen nach den wichtigen Textstellen.

Teil 1: Wie man liest

Adler´s Levels

Idealerweise liest man zweckmäßig.

Das bedeutet, dass du je nach Ziel und Anforderung anders lesen solltest. 

Mortimer Adler, ein amerikanischer Schriftsteller, hat das Lesen dafür in 4 verschiedene Level unterteilt:

1. Elementares Lesen

Das elementare Lesen lernt man in der Schule. Solltest du diese Zeilen verstehen, beherrscht du diese Form bereits.

2. Inspektionales Lesen

Das lateinische Wort īnspectio bedeutet Betrachtung. Und genau darum geht es hier. 

Du kannst in Büchern verschiedene Dinge betrachten. Deshalb gibt es zwei verschiedene Arten des inspektionalen Lesens:

Systematisches Überfliegen

Typisches Buchhandlungs-Lesen.

Wahrscheinlich liest du zuerst den Buchrücken, dann das Inhaltsverzeichnis und blätterst anschließend ein bisschen durch die Seiten. 

Dieses systematische Überfliegen verschafft dir einen ersten Eindruck. Du erkennst den Umfang, die Einteilung, das generelle Thema sowie ein paar kleinere Textpassagen und Überschriften. 

Diese Lese-Art sollte unbedingt bei der Vorbereitung von Projekten oder Abschlussarbeiten zum Zug kommen.

Oberflächliches Lesen

Beim oberflächlichen Lesen machst du dir keine großen Gedanken zum Inhalt, keine Notizen und keine weitere Recherche.

So lesen die meisten Menschen alle ihre Bücher.

Diese Leseform eignet sich perfekt, um den Kern des Buches und die grobe Richtung des Autors zu verstehen.

Für mehr Wums musst du aber ins nächste Level steigen…

3. Analytisches Lesen

Jetzt möchtest du den Autor und seine persönliche Sichtweise tiefgründig verstehen. Dies wäre zum Beispiel sinnvoll, wenn er dein Mentor ist und du von ihm lernen möchtest.

Hier gilt es zu beachten:

  • Zuerst musst du das Buch nach Art und Inhalt einteilen.
  • Nach dem Lesen solltest du in zwei oder drei Sätzen beschreiben können, um was es in dem Buch geht.
  • Weiters musst du die Hauptteile des Buches, ihre Reihenfolge und Verbindung zueinander verstehen.

Stell dir das Buch wie ein Haus vor. 

Jedes Kapitel ist ein Zimmer. Einzeln sagen die Zimmer nichts über das Haus aus. Erst durch eine sinnvolle Anordnung, Mauern, Gänge, Treppen und einem Dach entsteht aus den Einzelteilen ein Bauwerk. Oder, wie in diesem Fall, ein Buch.

Nur wenn du diese Zusammenhänge verstehst, baust du tiefgründiges Wissen auf.

  • Abschließend solltest du verstehen, welches Problem oder welche Probleme der Autor mit dem Buch lösen wollte.

So hast du die Botschaft und den Standpunkt des Autors durchblickt.

Um richtig analytisch zu Lesen, solltest du unbedingt in die Marginalien schreiben und genügend Notizen machen. (Dazu in Teil 4 mehr!)

Du kannst aber schon jetzt, beim Lesen dieses Artikels, üben. So wirst du garantiert am meisten davon behalten. 🙂

4. Syntopisches Lesen

Syn-was?!

Ein Syntop ist ein definiertes Gebiet, in dem mehrere Arten von Lebewesen oder Dingen vorkommen. 

Beispiel: das Gebiet ist das Thema Finanzen. In diesem Bereich gibt es unzählige Autoren, die darüber schreiben und verschiedene Sichtweisen teilen. Fertig ist das Syntop.

Beim analytischen Lesen interessierte dich vor allem die Sicht des Autors. Nun interessiert dich das Thema an sich.

Wirklich verstehen wirst du komplexe Themen erst, wenn du dir verschiedene Meinungen und Sichtweisen anhörst bzw. durchliest.

Diese Form des Lesens sollte unbedingt beim Lernen für die Schule und Universität zur Anwendung kommen.

Die Besonderheiten des syntopischen Lesens sind:

  • Die richtigen Bücher und Textpassagen zu finden. (Manchmal interessiert dich nur ein Kapitel oder Absatz)
  • Diese Passagen in eigene Worte zusammenfassen und für dich zu „übersetzen“, so, dass du sie wirklich verstehst.
  • Die Fragen beschreiben, die du nach dem Buch gelöst siehst.
  • Aus den verschiedenen Lösungen und Sichtweisen deine passende Lösung basteln. So bildest du dir eine intelligente Meinung und lernst das Thema tiefgründig

Speedlesen vs. Gemütlichkeit

Weil es zum „Wie“ passt.

Qualität > Quantität, oder anders ausgedrückt: Speedlesen ist sinnlos!

Möchtest du mehr aus deiner Lesezeit rausholen, dann investiere die Zeit ins Verstehen. Es bringt dir genau gar nichts, wenn du 500 Bücher gelesen hast, dir aber nicht eine Sache davon merken konntest.

Die Lesegeschwindigkeit erhöht sich ganz von selbst, wenn du regelmäßig liest.

Teil 2: Was man liest

Bücher sind wie Essen. Einerseits gibt es die Haubenküche. Jeder Absatz und jedes Kapitel ein Kunstwerk in sich und man würde am liebsten niemals damit aufhören.

Und dann gibt es die ewig gleiche, völlig inhaltsarme Fast Food Variante.

Genau wie beim Essen, sollten wir auch beim Lesen darauf achten, mit was wir unsere Denkzentrale füttern.

Ich stelle mir dafür mein Gehirn wie eine Bibliothek vor. Ich bin Chef, Logistiker und Türsteher zugleich.

Hierfür helfen mir diese 3 Punkte:

  • Kurze Kleider (Click Bait Medien) sind zwar sexy, bringen dich aber nicht in die Bibliothek. Hier kommen wenn möglich nur genaue, interessante und relevante Informationen rein. (Ich zeige dir gleich, wie ich gute Bücher auswähle)
  • Ich muss sicherstellen, dass ich die Informationen wieder finde. Dafür benötigt es ein System für Notizen und regelmäßiges Wiederholen des Gelernten. (Teil 4)
  • Fast noch wichtiger als das Wiederfinden ist ein Masterplan, wie ich die Informationen im täglichen Leben anwenden kann. Diese Pläne schreibe ich auf die weiße Seite hinter dem Buchcover. (Auch dazu gleich mehr)

Beachtest du diese 3 Punkte regelmäßig bei deinen Buch,- und Zeitungs-Entscheidungen, wird dein Gehirn weniger zugemüllt. Vor allem bei den Click Bait Medien ist äußerste Vorsicht geboten. Die negative psychologische Wirkung dahinter ist unfassbar, auch wenn wir es oft gar nicht merken.

Teil 3: Wie man die richtigen Bücher auswählt

Hast du eine bestimmtes Buch vor Augen, dann können die Amazon Bewertungen schon hilfreich sein. Die Auswahl hängt aber noch von mehr ab:

Relevanz

Was brauchst du gerade? 

Diese Frage sollte dir als erstes in den Sinn kommen, wenn du überlegst, welches Buch du lesen sollst.

So vermeidest du nicht nur Langeweile beim Lesen (Der Hauptgrund fürs Einschlafen 😉 ) Du wirst dir das Gelesene auch viel besser merken, da du die Informationen umgehend auf dein Leben übertragen kannst.

Wenn du in Geldnot bist, lies Bücher über Finanzen und Schulden.

Wenn du in einer heiklen Beziehungsphase bist, ist ein Ratgeber hierüber sinnvoll.

Hast du Stress, kann neben Anti-Stressbüchern auch ein normaler Roman zur Beruhigung beitragen

Der Lindy Effekt

Der Lindy Effekt besagt, dass etwas Nicht-Verderbliches umso länger relevant bleiben wird, je länger es schon existiert.

Was hat das mit Büchern zu tun?

Der Lindy Effekt bei Büchern

Informationen aus alten Büchern, sofern sie heute noch stimmen, werden sehr wahrscheinlich noch viel länger relevant sein. Sie haben den Test der Zeit bestanden.

Als Beispiel: Das Gravitationsgesetz von Newton. Es wird sehr wahrscheinlich auch noch bei unseren Urenkeln gelten. Aktuelle Marketingstrategien für Instagram werden hingegen wohl schon in wenigen Jahren wieder unbrauchbar sein.

Natürlich wird das Gravitationsgesetz keinen Influencer aus dir machen und es kann sein, dass du gerade jetzt mehr über Instagram lernen musst. Generell solltest du aber auch großen Wert auf Wissen aus zeitlosen Klassikern legen.

Einige lesenswerte Klassiker der Persönlichkeitsentwicklung:

Teil 4: Gelesenes merken, wie ein Genie

Die Feynman Methode

Der Physiker Richard Feynman hatte ein Problem. Er wollte mehr über Quantenmechanik wissen. Zu dieser Zeit (1935), war das ein schwieriges Unterfangen. Es wurde nämlich an keiner einzigen Universität gelehrt.

Also besorgte er sich alle Bücher zum Thema und versuchte es auf eigene Faust.

Um dabei erfolgreich zu sein, entwickelte er die Feynman Methode. Der Gedanke dahinter: Nichts ist schwer, wenn man es auf die einfachsten Teile zurück führt. 

Feynman Methode – Grafikidee von https://physiphi.com

So funktionierts:

  1. Suche dir ein Thema oder Konzept aus, das du verstehen willst. Schreib es als Überschrift auf ein Blatt Papier.
  2. Schreibe, zeichne und skizziere nun alles auf dem Blatt, was du bereits über das Thema weißt.
  3. Tu so, als ob du es einem Kind erklären würdest. Die starke Vereinfachung wird der Härtetest. Fremdwörter werden dich bei einem Kind gleich wenig weiter bringen, wie endlose Definitionen. 
  4. Bleibst du hängen, dann versuche mit Hilfe von Büchern und Ressourcen die Wissenslücke zu füllen.
  5. Hast du die Vereinfachung komplett aufgestellt, fehlt nur noch das aufschreiben. 

Es empfiehlt sich, für große Themen wie Physik, Sport oder Gesundheit eigene Notizbücher anzulegen. So sammelst und sortierst du mit der Zeit eine große Menge an Fachwissen.

Aktiv vs. Passiv

Mimi, Ami und Oma waren die Helden aus meinem allerersten Buch. Und egal wie alt du bist, ich wette, auch du kannst dich an alte Schulbuch-Geschichten erinnern.

Aber wie kann es sein, dass Ami und Oma auch Jahrzehnte später noch in unseren Gehirnen herumgeistern, während wichtige Chemie Formeln nicht einmal bis zum nächsten Toilettengang überleben?

Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie wir diese beiden Dinge gelernt haben.

Amis und Omas Geschichten wurden nicht nur gelesen. Wir haben eifrig darüber diskutiert, gebastelt, gesungen und fleißig vor der ganzen Klasse vorgelesen. Aktives Lernen also.

Den Unterschied zwischen unimolekularen und bimolekularen Reaktionen konnte ich hingegen einfach nicht wissen, weil der Tiefschlaf-Sabber aus meinem Mund die Buchseite aufgelöst hat. Man könnte sagen, ich war etwas passiv.

Effizientes Lesen ist ein höchst aktiver Prozess. Fliege nicht nur eintönig über die Zeilen, sondern diskutiere darüber, mach´ dir Gedanken und schreibe mit.

Eine gute Überleitung zu..

Richtig mit Notizen arbeiten

Wieviel Sand liegt am Meer?

Vermutlich gleich viel, wie es Techniken für Notizen gibt.

Das wichtigste für gute Notizen ist einmal mehr das Prinzip: Halte es einfach!

Es braucht keine ausgefallenen Apps und hundert verschiedene Dinge. Alles was du brauchst ist ein Stift, eventuell ein paar Karteikarten und Klebestreifen.

Ich verwende für meine Notizen folgendes System:

Ich schreibe jede Frage, jede Erkenntnis oder Meinung, die mir während des Lesens in den Sinn kommt, sofort in die Marginalien neben der Textpassage.

Marginalien sind die weißen Abstände zum Buchrand, rechts und links vom Text. Meine Bücher sind voll mit solchen kurzen Notizen.

Egal wie sinnlos sie später auch erscheinen, durch das bloße Aufschreiben stelle ich schon sicher, dass ich aktiv dabei bin.

Als nächstes schreibe ich mir nach jedem Kapitel die wichtigsten Punkte und Zusammenhänge in Stichwörtern auf. (Meist gibt es nach den Kapiteln eine weiße Seite, die sich perfekt dafür eignet.)

In den Tagen, nachdem ich das Buch fertig gelesen habe, überfliege ich nochmal alle Kapitelstichpunkte. Anschließend schreibe ich die wichtigsten Stichpunkte und den Masterplan, den ich vorhin bei der Gehirnbibliothek genannt habe, auf die erste Seite des Buches.

Beim Masterplan geht es darum, dir möglichst genau zu überlegen, wann, wie und wo du das Gelernte in deinem täglichen Leben anwenden wirst.

Hierfür ist es hilfreich, sich diese Situationen in „lebendigen“ Bildern vorzustellen. So vertieft man das Ganze und es ist abrufbereit, sobald die Situation eintritt.

Ein weiterer cooler Tipp: zwei verschiedene Klebestreifenfarben verwenden. 

So kannst du zum Beispiel grüne Klebestreifen auf der langen Buchseite bei allen Seiten einkleben, wo Dinge stehen, die du in deinem Leben anwenden möchtest. Orange Klebestreifen hingegen könntest du oben an den Seiten aufkleben und so Seiten mit wichtigen Zitaten oder Bildern markieren.

Bayesisches Update

Beim effizienten Lesen kommt es vor allem auf folgende Punkte an:

  • aufnehmen
  • reflektieren
  • anwenden

Für die unteren beiden Punkte solltest du nach jedem Buch ein sogenanntes bayesisches Update machen. Dieses Update ist nichts weiter als die Frage an dich selbst, wie dieses Buch deine eigene Weltansicht verändert.

Was hast du gelernt? Welche Informationen werden in Zukunft dein Leben verändern? Wie wirst du das Wissen anwenden?

Dafür musst du flexibel sein. Du musst zulassen, dass neues Wissen dich und dein Leben verändern wird.

So wie John Maynard Keynes einmal gesagt hat: „Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Ansicht.“

Wirst du jemals wieder lesen wie zuvor?

Einschlafen?

Alles vergessen?

Erinnere dich noch einmal an die wichtigste Regel für effizientes Lesen: Erst wenn das Gelernte angewendet wird, hat es sich rentiert.

Jetzt, wo du mit Theorie vollgestopft bist, ist es an der Zeit, genau das zu tun.

Versuche, das nächste Buch mit den oben stehenden Mitteln zu lesen und dein Leben wird schon bald filmreif sein.

Ich hoffe, der Artikel war hilfreich und falls du noch weitere Tipps und Methoden, lass uns doch mit einem Kommentar daran teilhaben. 🙂

Auf den Erfolg,

dein Mathias

Danke für die gute Erklärung der Feynman Methode und die Idee mit der Grafik an das Team von https://physiphi.com/ 🙂